Bevor du irgendetwas anrührst, misst du den CM-Wert des Estrichs. Zementestrich muss ≤ 1,8 % aufweisen, Calciumsulfat/Anhydrit ≤ 0,5 % (unbeheizt) bzw. ≤ 0,3 % bei beheiztem Boden. Einen CM-Wert außerhalb dieser Grenzen kannst du nicht überspachteln — das Wasser schlägt durch die Ausgleichsmasse zurück.
Parallel prüfst du die Ebenheit nach DIN 18202: maximal 3 mm auf 4 m Messlatte, maximal 2 mm auf 1 m. Lege die Richtscheit-Latte in mehrere Richtungen — diagonal, quer, längs. Markiere alle Tiefstellen und Hochpunkte mit Kreidemarkierung oder Bleistift. Hochpunkte über 3 mm schleifst du vor dem Spachteln ab, sonst reißt die Ausgleichsmasse an diesen Stellen dünn aus. Prüfe außerdem auf Festigkeit: Kratze mit einem Schlüssel über die Oberfläche — sandelt oder kreidet der Estrich, musst du mit Tiefengrund oder Haftbrücke vorarbeiten.
Alle Hochpunkte über 3 mm trägst du mit einem Winkelschleifer oder Estrichschleifer mit Diamantscheibe ab. Arbeite dabei mit Atemschutz P2 und Staubabsaugung — Calciumsulfatstaub ist lungengängig. Nach dem Schleifen saugst du die gesamte Fläche mit einem Industriestaubsauger ab; kein Kehren, weil der Staub sonst wieder aufwirbelt und später die Haftung sabotiert.
Risse im Estrich bis 2 mm Breite schließt du mit einem dünnflüssigen Epoxidharz oder einem Rissversiegeler auf Polyurethanbasis — diese Produkte haben eine sehr niedrige Viskosität und dringen kapillar ein. Risse über 2 mm und bewegliche Risse (erkennbar an unterschiedlichen Höhen der Rissflanken) müssen mit einer Gewebeeinlage und zweikomponentigem Epoxid gesichert werden, sonst reißt die Ausgleichsmasse an gleicher Stelle durch. Lass den Rissversiegeler vollständig aushärten, bevor du grundierst.
Die Grundierung ist keine Option — sie ist Pflicht. Ohne Haftbrücke saugt ein poröser Zementestrich der Ausgleichsmasse das Wasser weg, bevor sie abbinden kann: Ergebnis sind Risse und Hohllagen. Bei Zementestrich verwendest du eine PU- oder Dispersionsgrundierung (z. B. Uzin PE 280 oder gleichwertig), bei Calciumsulfatestrich eine systemkonforme Grundierung des jeweiligen Herstellers — Mischsysteme führen zu Unverträglichkeiten.
Verbrauch beachten: 100–200 g/m² je nach Saugfähigkeit des Untergrunds. Trage die Grundierung mit einem Streichbesen oder einer Kurzfloorrolle gleichmäßig auf, keine Pfützen. Ablüftzeit einhalten: 30–60 Minuten bei 18–24 °C und 40–65 % relativer Luftfeuchte. Die Grundierung muss klebrig-trocken sein — klebt der Finger leicht an, ist der Zeitpunkt richtig. Ist sie komplett durchgetrocknet, muss eine zweite Schicht aufgetragen werden.
Die Systemwahl richtet sich nach dem vorhandenen Estrich. Zementbasierte Ausgleichsmassen funktionieren auf nahezu allen Untergründen, sind feuchtigkeitstoleranter und eignen sich für Feuchträume. Calciumsulfatsysteme (Anhydrit) sind schwindärmer, schrumpfen beim Abbinden weniger und sind deshalb bei großen Flächen über 50 m² im Vorteil — aber: sie vertragen keine dauerhaft erhöhte Feuchte und müssen zwingend auf calciumsulfatkompatible Grundierung aufgetragen werden.
Mischungen zwischen den Systemen sind unzulässig. Auf einem Calciumsulfatestrich kannst du eine zementbasierte Ausgleichsmasse nur aufbringen, wenn der Untergrund vollflächig mit einer Sperrschicht-Grundierung versiegelt wurde. Die Schichtdicke richtet sich nach der ermittelten Tiefstellenmessung: Minimum sind 2 mm bei Dünnschichtprodukten, maximal 10 mm in einer Schicht ohne Armierung. Tiefer als 10 mm legst du eine Glasfaserarmierung ein oder arbeitest in zwei Schichten mit Zwischengrundierung.
Das Wasser-Pulver-Verhältnis steht auf der Sackaufschrift — halte dich exakt daran. Mehr Wasser macht die Masse fließfähiger, aber schwächer und rissgefährdeter. Gib immer Pulver ins Wasser, nie umgekehrt. Benutze einen Rührquirl ≤ 400 U/min mit einem großen Wendelrührer — hohe Drehzahlen schlagen Luft ein, die später als Poren in der Oberfläche sichtbar werden.
Rührzeit: 2–3 Minuten bis eine klumpenfreie, homogene Konsistenz erreicht ist. Lass die Masse dann 1 Minute stehen (Sumpfzeit), rühre nochmals kurz auf. Nicht nachmischen mit Wasser. Angemachte Ausgleichsmassen haben eine Verarbeitungszeit von typisch 20–30 Minuten bei 20 °C — plant du mehrere Mischungen, arbeite im Anfahrplan: Eimer 1 fließt, während Eimer 2 gemischt wird. Kältere Raumtemperatur verlängert die offene Zeit, Zugluft verkürzt sie drastisch.
Gieße die Ausgleichsmasse in Streifen von der hinteren Raumseite zur Tür hin aus. Bei selbstverlaufenden Systemen (Fließfähigkeit nach Ausbreitmass ≥ 18 cm) verteilst du mit einem Rakel oder einer Glättkelle nur grob — die Masse zieht selbst auf Niveau. Setze Nivellierstifte oder Höhenlehren, wenn du auf eine exakte Dicke angewiesen bist, z. B. bei stufenlosen Übergängen.
Materialverbrauch: ~1,7 kg/m²/mm Schichtdicke. Bei 5 mm Dicke auf 20 m² sind das 170 kg — entsprechend Säcke und Mischkapazität vorkalkulieren. Unmittelbar nach dem Ausgießen rollst du mit einer Stachelwalze quer über die Fläche, um eingeschlossene Luft auszutreiben. Türspalte und Raumübergänge schließt du vorher mit Schaumstoffband ab, damit die Masse nicht in andere Räume läuft. Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung während der Abbindephase vermeiden — das führt zu Trocknungsrissen.
Begehbar ist eine Ausgleichsmasse nach typisch 2–4 Stunden, belegreif nach 24–48 Stunden — herstellerabhängig, immer das Technische Merkblatt lesen. Belegreife bedeutet nicht zwingend, dass der CM-Wert passt. Miss den Wert nach der Spachtelung erneut mit dem CM-Gerät (CIS-Verfahren), bevor du den Bodenbelag aufbringst.
Bei beheizten Böden mit Fußbodenheizung gilt: Die FBH erst nach vollständiger Belegreife der Ausgleichsmasse wieder in Betrieb nehmen, langsam hochheizen — max. +5 °C pro Tag. Die Bodenoberfläche darf während der Nutzung 27 °C nicht überschreiten. Prüfe abschließend die Ebenheit der gespachtelten Fläche nochmals mit der Richtlatte: max. 3 mm auf 4 m nach DIN 18202. Verbleibende Spitzen über die Toleranz schleifst du mit einem Schwingschleifer nach.
Klopfe die gesamte Fläche mit einem Hohlklangprüfer oder einem einfachen Schlüsselring systematisch im 30 cm-Raster ab. Hohler Klang bedeutet Hohllagen — diese Stellen musst du aufbrechen, Ausgleichsmasse entfernen und neu spachteln. Hohllagen unter dem Belag führen unweigerlich zu Knackgeräuschen und Rissen im Belag.
Prüfe außerdem die Oberfläche auf Sinterschicht: Calciumsulfatsysteme bilden beim Abbinden eine glatte, glänzende Deckschicht, die wie eine Trennlage wirkt. Diese schleifst du vor der Grundierung für den Bodenbelag vollflächig an. Reinige nach dem Schleifen erneut sauber ab. Kontrolliere Raumklima: 18–24 °C Raumtemperatur und 40–65 % relative Luftfeuchte müssen auch zum Verlegezeitpunkt des Bodenbelags eingehalten sein. Erst wenn alle Punkte grünes Licht geben, folgt der Belag.