PEFC

PEFC
Foto: xing bowen auf Unsplash

Wer Holzwerkstoffprodukte kauft, stößt früher oder später auf dieses Kürzel: PEFC steht für Programme for the Endorsement of Forest Certification — auf Deutsch: Programm zur Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen. Das Siegel belegt, dass das eingesetzte Holz aus nachweislich nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Beim Vinylboden betrifft das vor allem die Trägerplatte von SPC- und WPC-Böden, die Holzfaseranteile enthalten, sowie Holzspan- oder MDF-Kernlagen bei Hybridprodukten.

PEFC ist kein staatliches Gütesiegel, sondern ein privatrechtliches Zertifizierungssystem mit internationaler Anerkennung. Es funktioniert über eine Lieferkettenzertifizierung — jeder Verarbeitungsschritt vom Forstbetrieb bis zum Endprodukt wird geprüft.

Aufbau und Technik

Das PEFC-System basiert auf einer Lieferkettenzertifizierung (Chain of Custody, CoC). Sägewerke, Plattenwerke und Bodenbelagshersteller müssen nachweisen, dass der Holzanteil ihrer Produkte aus PEFC-zertifizierten Wäldern stammt oder zumindest einen definierten Mindestanteil zertifizierter Rohstoffe enthält. Der Mindestanteil liegt bei 70 % PEFC-zertifiziertem Holz, damit ein Produkt das Siegel tragen darf. Die Zertifizierung erfolgt durch akkreditierte, unabhängige Drittprüfer und muss regelmäßig erneuert werden. Forstwirtschaftliche Anforderungen umfassen unter anderem den Erhalt der Artenvielfalt, den Schutz von Gewässern, geregelte Einschlagmengen und Mindeststandards für Arbeitsbedingungen. PEFC ist in über 50 Ländern aktiv und deckt weltweit rund 320 Millionen Hektar zertifizierte Waldfläche ab.

Einsatz in der Praxis

Im Bodenbelagsbereich spielt PEFC vor allem dann eine Rolle, wenn Hersteller für ihre Trägerplatten oder Kernschichten Holzfasern, HDF, MDF oder OSB einsetzen. Bei reinen PVC-Böden ohne Holzanteil ist das Siegel nicht relevant. Wer allerdings einen WPC-Boden verlegt — also Holz-Kunststoff-Verbund — oder einen Hybrid-Vinylboden mit Holzwerkstoffkern kauft, sollte auf die Zertifizierung achten. Im Objektbereich fordern öffentliche Auftraggeber und Unternehmen mit Nachhaltigkeitsrichtlinien häufig Produkte mit PEFC- oder FSC-Nachweis, da diese in Nachhaltigkeitsberichten anrechenbar sind. Im privaten Wohnbau ist das Siegel weniger verbindlich, aber ein seriöses Qualitätsmerkmal. Fehlt jede Zertifizierung, lässt sich die Herkunft des Holzes nicht nachvollziehen.

Zahlen, Normen und Klassen

  • Mindeststammholzanteil für Siegelnutzung: 70 % aus zertifizierter Quelle
  • Internationale Dachorganisation: PEFC International, gegründet 1999 in Paris
  • Zertifizierte Waldfläche weltweit: ca. 320 Mio. ha
  • Nationale Umsetzung in Deutschland über: PEFC Deutschland e.V. mit Sitz in Stuttgart
  • Vergleichbare Norm: FSC (Forest Stewardship Council) — separates System mit ähnlichem Ziel
  • Relevante ISO-Norm für Lieferkettenzertifizierung: ISO 38200

Abgrenzung

Der häufigste Fehler beim Vergleich: PEFC und FSC gleichzusetzen. Beide Systeme zertifizieren nachhaltige Forstwirtschaft, unterscheiden sich aber in Entstehungsgeschichte, Struktur und Bewertungskriterien. FSC entstand aus dem Umweltschutz heraus und gilt in der Ökoszene als strenger. PEFC wurde stärker von der Forstwirtschaft selbst entwickelt und ist besonders in Europa und Australien verbreitet. Für den Verleger auf der Baustelle ist der Unterschied operativ kaum spürbar — beide Siegel belegen eine kontrollierte Lieferkette. Wer PEFC-zertifizierte Bodenprodukte kauft, sollte auf die CoC-Nummer auf dem Produkt oder Lieferschein achten und diese bei Bedarf über die PEFC-Datenbank verifizieren. Ein aufgedrucktes PEFC-Logo ohne CoC-Nummer ist kein ausreichender Nachweis. Im Fachhandel sind PEFC-zertifizierte Vinylböden ohne Preisaufschlag erhältlich — das Siegel kostet dem Hersteller Zertifizierungsgebühren, schlägt aber selten auf den Endpreis durch.

Synonyme
PEFC-Siegel Forest Certification Chain of Custody Zertifizierung