Wer Vinylboden verlegt, verlegt ihn fast immer auf Estrich. Der Estrich bildet die eigentliche Nutzschicht des Rohbodens und liegt zwischen der Rohdecke und dem fertigen Bodenbelag. Er gleicht Unebenheiten der Betondecke aus, trägt Lasten ab und nimmt — bei Fußbodenheizung — die Heizrohre auf. Für Vinyl ist er der kritischste Untergrund, weil der Belag jeden Mangel des Estrichs direkt abzeichnet oder Feuchtigkeit aus ihm zieht.
Beim Sanieren trifft man häufig auf alten Zementestrich aus den 1970er bis 1990er Jahren, im Neubau dominiert heute der Zementestrich (CT) und der Anhydritestrich (CA). Beide reagieren unterschiedlich auf Feuchtigkeit und stellen damit unterschiedliche Anforderungen an die Verlegung.
Aufbau und Technik
Estrich ist eine Beton- oder Mörtelmischung, die auf einem Trennlager, einem Dämmpaket oder direkt auf der Rohdecke aufgebracht wird. Die häufigsten Typen im Wohnbau:
- Zementestrich (CT): mineralisch, kapillaraktiv, alkalisch (pH 12–13), neigt zu Restfeuchte
- Anhydritestrich (CA): gipsgebunden, schneller trocken, reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit
- Calciumsulfatestrich: Sonderform des CA, heute verbreitet im Objektbereich
- Trockenestrich: Gipsplatten auf Schüttung, kein Austrocknungsaufwand
Die üblichen Schichtdicken liegen bei 35–80 mm für Nassestrich, Trockenestriche starten ab etwa 20 mm. Die Druckfestigkeit wird in Festigkeitsklassen angegeben — für Wohnräume gilt F4 (4 N/mm²) als Mindestanforderung, im Objektbereich F5 oder F7.
Einsatz in der Praxis
Vor jeder Vinylverlegung muss der Estrich zwei Bedingungen erfüllen: Er muss trocken sein und er muss eben sein. Beides lässt sich messen — und muss gemessen werden, nicht geschätzt.
Die Restfeuchte prüft man mit dem CM-Gerät (Calciumcarbid-Methode). Für Zementestrich ohne Fußbodenheizung gilt ein Grenzwert von 2,0 CM-%, mit Fußbodenheizung 1,8 CM-%. Anhydritestrich ist trockener einzustufen: maximal 0,5 CM-% ohne, 0,3 CM-% mit Fußbodenheizung. Liegt die Feuchte darüber und man verlegt trotzdem, dehnt sich der Belag, die Klicknähte drücken auf, oder es bildet sich Schimmel unter dem Boden.
Die Ebenheit prüft man mit einer 2-Meter-Latte. Die zulässige Abweichung nach DIN 18202 beträgt für fertige Böden ±3 mm unter der Messlatte. Vinyl verzeiht weniger als Teppich — Dellen und Beulen zeichnen sich durch die elastische Schicht hindurch ab, besonders bei dünneren Produkten unter 5 mm Gesamtstärke.
Zahlen, Normen und Klassen
- Grenzwert CM-Feuchte CT ohne FBH: 2,0 CM-%
- Grenzwert CM-Feuchte CA ohne FBH: 0,5 CM-%
- Ebenheitstoleranz nach DIN 18202 Tabelle 3: ±3 mm/2 m
- Mindestdruckfestigkeit Wohnen: F4 (4 N/mm²)
- Ausgleichsspachtel für Unebenheiten: 1–30 mm Schichtdicke möglich, 3–8 €/m² Materialkosten
- Norm für Estricharbeiten: DIN 18560
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist das Verlegen auf zu feuchtem Estrich. Viele Handwerker greifen zur Kunststoff-Folie als Feuchtigkeitssperre — das ist bei Vinylboden keine anerkannte Lösung, weil Vinyl selbst dampfdicht ist und eingeschlossene Feuchte nirgendwo entweichen kann. Richtig ist entweder Warten bis zum Erreichen der Grenzwerte oder das Aufbringen einer zweikomponentigen Epoxidharz-Sperrschicht.
Zweithäufigster Fehler: Unebenheiten spachteln ohne Haftgrund. Auf glattem, altem Zementestrich zieht Spachtel schlecht an — ohne Primer reißt die Ausgleichsschicht und der Vinylboden liegt auf einem instabilen Untergrund. Primer kosten wenig (0,5–1,5 €/m²) und werden zu oft weggelassen. Anhydritestrich muss vor dem Spachteln immer geschliffen und grundiert werden, weil die Oberfläche zu glatt für Haftmörtel ist. Wer das überspringt, hat nach drei Monaten Hohlstellen unter dem Belag.