Anhydritestrich taucht auf der Baustelle häufig dort auf, wo Fließestriche gefragt sind — im Neubau, bei Fußbodenheizungen und in Wohngebäuden mit großen Flächen. Der Untergrund besteht aus Calciumsulfat (CaSO₄), dem sogenannten Anhydrit, das mit Wasser zu einer fließfähigen Masse angemacht und maschinell eingebracht wird. Für Vinylboden ist dieser Estrichtyp von besonderer Bedeutung, weil er eine sehr ebene Fläche liefert, aber gleichzeitig feuchteempfindlich ist und bestimmte Vorarbeiten zwingend erfordert.
Im Gegensatz zu Zementestrich bindet Anhydritestrich langsamer und reagiert bei dauerhafter Feuchtigkeit mit Volumenausdehnung — ein Umstand, der bei der Vorbereitung für Vinylboden nicht ignoriert werden kann.
Aufbau und Technik
Anhydritestrich gehört zur Gruppe der Calciumsulfatestriche (CAF nach DIN 18560). Er wird als Fließestrich (Kürzel F) meist mit einer Pumpe eingebracht und verteilt sich selbst, was großflächige Verlegung ohne manuelle Abzugsarbeiten ermöglicht. Die Rohdichte liegt bei etwa 2.000–2.100 kg/m³, die Druckfestigkeit bei mindestens C20/F4 (20 N/mm² Druck, 4 N/mm² Biegezug). Standarddicken im Wohnbau liegen bei 45–55 mm, über Fußbodenheizungsrohren mindestens 45 mm Überdeckung. Die Oberfläche ist nach dem Erhärten oft mit einer Sinterschicht bedeckt — einer glatten, glasigen Schicht, die vor der Weiterbearbeitung zwingend abgeschliffen werden muss.
Einsatz in der Praxis
Anhydritestrich findet sich vor allem in Neubauten und modernisierten Wohngebäuden, wo Fußbodenheizung verbaut wird. Er ist wärmeleitfähiger als Zementestrich und damit thermisch günstiger für Flächenheizungen. Für Vinylboden — ob Klick-Vinyl oder Klebevinyl — ist der entscheidende Faktor die Restfeuchte. Vor der Vinylverlegung darf der Calciumsulfatestrich maximal 0,5 CM-% Feuchte aufweisen (gemessen mit dem Calciumcarbid-Verfahren). Mit Fußbodenheizung gilt ein noch strengerer Grenzwert von 0,3 CM-%. Wird dieser Wert nicht eingehalten und ein diffusionsdichter Belag wie Vinyl verlegt, staut sich Restfeuchte darunter. Die Folge: Der Estrich quillt auf, Verklebungen lösen sich, Klickverbindungen brechen. In Feuchträumen darf Anhydritestrich ohne zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen grundsätzlich nicht eingesetzt werden. Im Bad ist er damit für Vinylboden ohne Verbundabdichtung keine taugliche Basis.
Zahlen, Normen und Klassen
- Norm: DIN 18560 (Estriche im Bauwesen), Typ CAF (Calciumsulfat-Fließestrich)
- Restfeuchte ohne FBH: max. 0,5 CM-%
- Restfeuchte mit FBH: max. 0,3 CM-%
- Trockenzeit: ca. 1 Tag pro mm Estrichdicke, bei 50 mm also mindestens 7–8 Wochen
- Druckfestigkeit: mindestens C20, Biegezugfestigkeit F4
- Rohdichte: 2.000–2.100 kg/m³
- Sinterschicht: muss vor Weiterbearbeitung vollflächig abgeschliffen werden
Typische Fehler
Der häufigste Fehler beim Verlegen von Vinylboden auf Anhydritestrich ist das Übersehen der Sinterschicht. Wer den Estrich nicht schleift, riskiert schlechte Haftung bei Klebevinyl und unkontrolliertes Verhalten bei schwimmend verlegten Böden. Zweiter klassischer Fehler: zu früh verlegen. Viele Bauherren wollen den Boden lieber heute als morgen — aber wer nach fünf Wochen misst, ohne Heizung in Betrieb gehabt zu haben, unterschätzt die Restfeuchte. Pflicht ist das CM-Messgerät, nicht das Fingerspitzengefühl. Außerdem verwechseln Laien Anhydritestrich oft mit Zementestrich. Zementestrich duldet mehr Feuchte (max. 2,0 CM-% ohne FBH), Anhydrit nicht. Optisch lassen sich beide kaum unterscheiden — im Zweifelsfall Typenschild des Estrichlegers suchen oder Auftraggeber befragen. Wer unsicher ist, kann einen pH-Test machen: Anhydritestrich zeigt neutrale bis leicht alkalische Werte, Zementestrich deutlich alkalischer (pH 12–13).